von F. Holmes Atwater
(Juni 1999)
Research Division, The Monroe Institute
Deutsche Übersetzung: Johann Kneihs
Einleitung
Robert
Monroe entwickelte und patentierte die unter dem Namen "Hemi-Sync"
bekannte Technologie auf Grundlage sogenannter "binaural beats",
eines im Gehirn erzeugten Wahrnehmungs-phänomens bei bestimmten akustischen
Reizen (siehe unten). Das Monroe Institute, eine gemeinnützige Forschungs-
und Bildungseinrichtung, wendet Hemi-Sync als Bestandteil eines umfassenden
Systems von Lernprozessen und angeleiteten Erfahrungen an. Dabei hören
die Teilnehmer/innen eine Überlagerung von binaural beats
mit Musik, "Pink sound" und/oder natürlicher Meeresbrandung.
Die Stimulation durch binaural beats, verbunden mit anderen Komponenten
im Hemi-Sync-Prozess, erleichtert den Zugang zu hochkonzentrierten Bewußtseinszuständen.
Alte Kulturen nützten die natürliche
Kraft von Klängen und Musik, um in religiösen Zeremonien auf
ungefährliche Art veränderte Bewußtseinszustände
herbeizuführen und die psychische und körperliche Gesundheit
zu fördern. Heute ist die Erkenntnis, daß auditive Stimulation
das Bewußtsein verändern kann, weithin akzeptiert (Poole 1993).
Hemi-Sync spiegelt den aktuellen Wissensstand über technische Nutzungen
der natürlichen Kraft des Klangs und bietet eine Vielfalt praktischer
Anwendungsmöglichkeiten. Studien berichten von Verbesserungen in
sensorischer Integration (Morris 1990) ebenso wie bei Entspannung, Meditation,
Streßabbau, Schmerzbewältigung, Schlaf (Wilson 1990; Rhodes
1993) und Gesundheitsvorsorge (Carter 1993). Hemi-Sync unterstützt
die Schaffung anregender Lernumgebungen, Gedächtnisleistungen (Kennerly
1994), und Kreativität (Hiew 1995), ebenso wie Intuition, zuverlässigere
Fernwahrnehmung (remote viewing) (McMoneagle 1993), Telepathie und außerkörperlichen
Erfahrungen.
Die Wirksamkeit von Hemi-Sync beruht nicht nur auf der natürlichen
Kraft des Klangs, sondern nützt auch die Reaktion des autonomen Nervensystems
auf reduzierte Umweltreize, kontrolliertes Atmen und progressive Entspannung,
und schließt psychologische Erkenntnisse über die Wirkung von
Affirmationen und Visualisierungen mit ein. Der vorliegende Artikel erörtert
die Beziehung zwischen Gehirn und Geist, den Zusammenhang zwischen Gehirnwellen
und Bewußtseinszuständen und die Rolle des retikulären
aktivierenden Systems (RAS) bei der Regulierung von Gehirnwellen, sowie
soziale und psychische Lernprozesse, die dabei eine Rolle spielen.
Binaural Beats
und die Physiologie des Gehirns
Binaural beats wurden 1839 von dem deutschen
Erfinder H. W. Dove entdeckt. Die menschliche Fähigkeit, binaural
beats zu "hören", scheint das Ergebnis evolutionärer
Anpassung zu sein: viele höher entwickelte Arten sind durch ihre
Gehirnstruktur dazu in der Lage. Die akustischen Frequenzen, die das ermöglichen,
variieren mit der Gehirngröße einer Spezies. Für die menschliche
Wahrnehmung müssen die Trägerfrequenzen im Bereich unter 1500
Hz liegen (Oster 1973). Wesentlich ist dabei die angeborene Fähigkeit
des Gehirns, Phasenverschiebungen zwischen beiden Ohren auszumachen, dies
erst ermöglicht die Wahrnehmung von binaural beats.
Der
Höreindruck von binaural beats entsteht, wenn zwei kontinuierliche
Töne von annähernd gleichen Frequenzen unter 1500 Hz jeweils
nur einem Ohr dargeboten werden und das Gehirn Phasenunterschiede zwischen
diesen Klängen feststellt. Dieser Phasenunterschied läßt
den Hörer normalerweise die Richtung erkennen, aus der ein Geräusch
kommt, doch beim Hören über Stereokopfhörer oder -lautsprecher
integriert das Gehirn beide Signale und erzeugt den Eindruck eines dritten,
binaural beat genannten Klangs.
Obwohl binaural beats als Schwingung mit einer
Frequenz zwischen den beiden Inputs (links und rechts) wahrgenommen werden,
entstehen sie im Gehirnstamm in bestimmten kontralateralen auditiven Zentren,
den oberen Oliven (olivae superiores) (Oster 1973). Dieser Höreindruck
wird über Nervenbahnen an die retikuläre Formation und gleichzeitig
an die Gehirnrinde, den Cortex, geleitet, wo er physikalisch als Frequenz-Folge-Reaktion
gemessen werden kann (Oster 1973; Smith, Marsh & Brown 1975; Marsh,
Brown & Smith 1975; Smith et al. 1978; Hink et al. 1980).
Eine zunehmende Zahl von Forschungsprojekten berichtet
über infolge der binaural beats von Hemi-Sync veränderte
Zustände des Gehirns:
- Binaural beats führen zu Veränderungen
in Wachheitszustand, sie unterstützen Aufmerksamkeitsfokus und
sensorische Integration (Morris 1990).
- Binaural beats verhelfen zu besserem Ansprechen
auf Alpha Feedback-Training (Foster 1990), Entspannung, Meditation,
Streßreduktion, Schmerzbewältigung, ruhigerem Schlaf (Wilson
1990; Rhodes 1993), größerer Aufmerksamkeit (Guilfoyle &
Carbone 1996), anregenden Lernumgebungen (Akenhead 1993), verbessertem
Gedächtnis (Kennerly 1994) und größerer Kreativität
(Hiew 1995).
- Binaural beats unterstützen außerdem
die Gesundheitsvorsorge (Carter 1993), die Behandlung von Kindern mit
Entwicklungsstörungen (Morris 1996), die Bewältigung von "Peak
experiences" und anderen außergewöhnlichen Erfahrungen
(Masluk 1997), das Ansprechen auf Hypnosebehandlungen (Brady 1997) und
die Behandlung von alkoholischer Depression (Waldkoetter & Sanders
1997).
- Binaural beats erhöhen den Wachheitsgrad
und wirken stimmungsaufhellend (Lane et al. 1998).
Das passive Hören von binaural beats bringt
nicht automatisch konzentrierte Aufmerksamkeit mit sich. Der Hemi-Sync-Prozeß
umfaßt verschiedene Bestandteile; binaural beats sind nur
eine Komponente. Wir neigen alle dazu, ein psychophysiologisches "Trägheitsmoment"
beizubehalten, das die Wirkung von binaural beats verringert. Lautes
Summen, Stimm- und Atemübungen, autogenes Training und/oder Biofeedback
können helfen, gegebenenfalls die Trägheit des Organismus (seine
Tendenz zur Homöostase) zu überwinden (Tart 1975). Natürlich
vorkommende ultradiane Rhythmen (Rhythmen des Organismus innerhalb des
Tagesverlaufs), die vom retikulären aktivierenden System ausgehen
und wechselnde Wachheitszustände bewirken (Webb & Dube 1981;
Rossi 1986; Shannahoff-Khalsa 1991) können die Wirksamkeit von binaural
beats modifizieren. Das eigene, subjektive Erleben von kann aber auch
durch eine Reihe psychologischer Faktoren beeinflußt werden.
Gehirnwellen und Bewußtsein
Kontroversen über Gehirn, Geist und Bewußtsein
sind ausgefochten worden, seit die griechischen Philosophen der Antike
über das Verhältnis zwischen Körper und Geist disputierten,
und keine der Streitfragen ist seither entschieden worden. Neurologen
haben den Geist im Gehirn lokalisiert und Bewußtsein als Ergebnis
elektrochemischer Nervenaktivität beschrieben. Eine zunehmende Zahl
von Beobachtungen stellt die Vollständigkeit dieser Erklärungen
allerdings in Frage. Keine neurophysiologische Untersuchung konnte den
Sitz höherer Phänomene des Geistes im Gehirn nachweisen: Intuition,
Kreativität, Phantasie, Einsicht, Vernunft, Absicht, Entscheidung,
Wissen, Willen, Esprit, Seele (Hunt 1995). Eine Lösung der Kontroversen
um Geist, Bewußtsein und das Körper-Geist-Problem erfordert
vermutlich eine epistemologische, d.h. erkenntnistheoretische Umstellung,
die außerrationale Arten des Wissens einschließt (de Quincey
1994) und entzieht sich vermutlich den Erklärungen ausschließlich
neurochemischer Gehirnforschung ? in bezug auf unser Verständnis
vom menschlichen Bewußtsein stehen wir mitten in einer Revolution
(Owens 1995).
Penfield (1975), ein herausragender Neurophysiologe,
fand heraus, daß der Geist auch unter Anästhesie bei reduzierter
Hirnaktivität weiterarbeitet: Gehirnwellen fehlten beinahe gänzlich,
während der Geist genauso aktiv war wie im Wachzustand. Der einzige
Unterschied bestand im Inhalt des bewußten Erlebens. Nach Penfield
berichteten auch andere Forscher über Bewußtheit bei komatösen
Patienten (Hunt 1995), und es gibt zunehmend Belege dafür, daß
es möglich ist, die Aktivität der Gehirnrinde zu verringern
und gleichzeitig Bewußtheit aufrechtzuerhalten (Fischer 1971; West
1980; Delmonte 1984; Wallace 1986; Goleman 1988; Mavromatis 1991; Jevning,
Wallace & Beidenbach 1992). Diese Zustände werden je nachdem
als meditativ, tranceartig, verändert, hypnagogisch, hypnotisch oder
als "Zwielicht-Lern-Zustand" (Budzynski 1986) bezeichnet. Alle
beruhen sie aber auf dem Prinzip der Beibehaltung von Bewußtsein
bei physiologisch reduziertem Erregungszustand, mit charakteristischer
Dominanz des parasympathischen Nervensystems (Mavromatis 1991). Gut hypnotisierbare
Probanden und Menschen mit großer Meditationserfahrung beweisen,
daß Bewußtsein bei gleichzeitig stark verringerter Aktivität
der Gehirnrinde tatsächlich möglich ist, sei es als natürliche
Fähigkeit oder erworbene Fertigkeit (Sabourin, Cutcomb, Crawford
& Pribram 1993). Mehr und mehr Wissenschafter äußern Zweifel
bezüglich des "neurologischen" Gehirn-Geist-Modells, weil
es so viele Fragen über unsere gewöhnlichen Alltagserfahrungen
unbeantwortet läßt (und sich mystischen oder spirituellen Fragen
um so mehr entzieht). Untersuchungen von Geisteswirkungen über räumliche
Entfernungen sowie Heilungen allein mit Hilfe mentaler Mittel stellen
die Theorie eines nur im Gehirn lokalisierten Geists ebenfalls in Frage
(Dossey 1994; Dossey 1996). Seit auf subatomarer Ebene nicht-lokale Vorgänge
nachgewiesen wurden, vermuten einige Forscher, daß dieselben physikalischen
Prinzipien auch nicht-lokalen Wirkungsweisen des Geistes zugrunde liegen
(Dossey 1996). Schon die wissenschaftlichen Erkenntnisse über das
Phänomen der Fernwahrnehmung zeigen, daß Geist und Bewußtsein
nicht lokale Phänomene sind (McMoneagle 1993).
Wenn Geist und Bewußtsein nicht im Gehirn fixierbar
sind, warum bringt die Wissenschaft dann mentale Funktionen und Bewußtseinszustände
mit Gehirnwellen in Verbindung, und warum schließt Hemi-Sync die
gehirnwellenverändernde Technik der binaural beats mit ein?
Die erste Frage kann im Sinne der instrumentellen Möglichkeiten beantwortet
werden: es gibt keine andere objektive Methode, Geist oder Bewußtsein
zu erfassen. Geist/Bewußtsein scheint ein Feldphänomen zu sein,
das mit dem Körper und den neurologischen Strukturen des Gehirns
Schnittstellen gemeinsam hat (Hunt 1995). Mit derzeit gängigen Instrumenten
kann dieses Feld nicht direkt gemessen werden. Die elektrischen Nervenpotentiale
dagegen können gemessen und leicht quantifiziert werden. Ein Problem
liegt in der Übervereinfachung der Beobachtungen: die EEG-Muster
der Hirnrinde sind das Ergebnis der Nerventätigkeit, doch die elektrochemische
Aktivität des Gehirns stellt nicht per se Geist/Bewußtsein
dar, EEG-Messungen sind daher allenfalls eine indirekte Möglichkeit,
das Geschehen an der Schnittstelle zwischen Geist/Bewußtsein und
den neurologischen Strukturen des Gehirns zu erfassen. Auch als "grobes"
Instrument ermöglicht es den Forschern aber, auf Grundlage relativer
Anteile von EEG-Frequenzen Bewußtseinszustände festzustellen.
Anders ausgedrückt: es wurde festgestellt, daß bei bestimmten
Bewußtseinzuständen bestimmte EEG-Muster auftreten, und es
läßt sich mit relativ großer Sicherheit vom jeweiligen
Muster auf den entsprechenden Bewußtseinszustand schließen.
Die zweite soeben aufgeworfene Frage erfordert eine
komplexere Erklärung: Der Hemi-Sync-Prozeß schließt die
binaural beats-Technik mit ein, weil das Ändern von Erregungszuständen,
Aufmerksamkeitsfokus und Bewußtseinsebenen eine größere
Palette von Geist/Bewußtheits-Erfahrungen ermöglicht. Niedrigere
Gehirnwellenfrequenz (bzw. geringerer Erregung/Gehirnaktivität) bei
gleichzeitigem Bewußtsein schafft einen einzigartigen Zustand, den
Hemi-Sync-Praktiker "mind awake/body asleep" nennen. Etwas höhere
Gehirnwellenfrequenzen können zu einem hypersuggestiven Bewußtseinszustand
führen, noch höhere Frequenzen zu den wachen und hochkonzentrierten
Aufmerksamkeitsniveaus, die für die optimale Ausführung verschiedener
Tätigkeiten geeignet sind.
Die wahrgenommene Wirklichkeit ändert sich mit
dem Bewußtseinzustand des Wahrnehmenden (Tart 1975). Manche Bewußtseinszustände
erlauben nur eine eingeschränkte Sicht der Wirklichkeit, während
andere umfassendere Wirklichkeitswahrnehmung ermöglichen. Bewußtseinszustände
ihrerseits ändern sich in Reaktion auf die ständig wechselnde
"innere Umwelt" und auf äußere Reize. Das Bewußtsein
wird nicht nur durch Medikamente und Drogen beeinflußt, sondern
auch durch Tages- und Tageszeitrhythmen (Webb & Dube 1981; Rossi 1986;
Shannahoff-Khalsa 1991). Bewußtseinszustände können in
diesem Sinne als an die jeweiligen Umweltanforderungen angepaßtes
Verhalten verstanden werden (Green & Green 1986). Indem es sich den
Mechanismus des retikulär-thalamischen Aktivierungssystems zunutze
macht, bietet Hemi-Sync all jenen, die das weite Reich des Bewußtseins
erkunden möchten, Zugang zu einer Vielfalt von Erfahrungen.
Hemisphären-Synchronisation
Der Begriff "Hemi-Sync" wurde als Bezeichnung
gewählt, weil die Wahrnehmung der binaural beats anzeigt,
daß die akustischen Signalverarbeitungszentren in beiden Gehirnhälften
(bzw. Hemisphären) koordiniert tätig sind, d. h. synchronisiert,
bzw. auf Englisch: "in sync with each other." Viele der Bewußtseinszustände,
die durch diese Technik erreicht werden könne, zeichnen sich durch
charakteristische, in beiden Gehirnhälften synchrone Gehirnwellenfrequenzen
aus. Obwohl solche synchronen Gehirnwellen seit langem mit meditativen
und hypnagogischen (schlafähnlichen) Zuständen in Verbindung
gebracht werden, ist Hemi-Sync vermutlich einzigartig geeignet, solche
Zustände herbeizuführen und zu vertiefen. Der Grund dafür
ist physiologischer Natur. Jedes Ohr ist mit beiden Gehirnhälften
"festverdrahtet" (Rosenzweig 1961). Jede Gehirnhälfte hat
ihr Hörzentrum, die sogenannten Olivenkerne, die Signale von beiden
Ohren erhalten. Wenn ein binaural beat wahrgenommen wird, entstehen
tatsächlich zwei chemoelektrische, synaptische Wellen gleicher Amplitude
und Frequenz, je eine in beiden Gehirnhälften. Damit ist bereits
eine Synchronisation der Synapsenaktivität in beiden Hemisphären
erreicht. Die spezifischen binaural beats des Hemi-Sync-Systems
tragen zur Hemisphären-Synchronisation meditativer und hypnagogischer
Bewußtseinszustände bei und verbessern die Wirkungsweise des
Gehirns, indem sie es dem Benutzer ermöglichen, die Vernetzung beider
Hirnhälften über das Corpus callosum mit einer spezifischen
Frequenz der Gehirnwellen wiederherzustellen.
Die beiden Hemisphären des Gehirns können
mit zwei getrennten Informationsverarbeitungsmodulen verglichen werden.
Beide sind komplexe kognitive Systeme; beide verarbeiten Information unabhängig
voneinander und parallel zueinander; ihre Interaktion ist weder willkürlich
noch kontinuierlich (Zaidel 1985). Bewußtseinszustände können
nicht nur durch die jeweiligen Anteile bestimmter Gehirnfrequenzen definiert
werden, sondern auch durch die Spezialisierung und/oder Interaktion der
Gehirnhälften. Das kognitive Repertoire eines Menschen und folglich
seine Fähigkeit, die Wirklichkeit wahrzunehmen und den Alltag zu
bewältigen, hängt mit seiner Fähigkeit zusammen, verschiedene
Bewußtseinszustände zu erfahren (Tart 1975).
Der Hemi-Sync-Prozeß verändert
Bewußtseinszustände

Ein wesentliches Element jeder Bewußtseinsveränderung
ist das erweiterte retikulär-thalamische Aktivierungssystem (ERTAS),
das die Gehirnwellenaktivität reguliert (Newman 1997). Das Wort "retikulär"
bedeutet netzartig, und die neuronale retikuläre Formation selbst
ist ein großes, diffus-netzartiges Gebiet im Gehirnstamm (Anch et
al. 1988). Das retikuläre aktivierende System (RAS) reagiert auf
und interpretiert Information durch innere Stimuli, Gefühle, Einstellungen
und Überzeugungen wie auch auf äußere Sinnesreize, in
dem es den Erregungszustand, Aufmerksamkeitsfokus und Bewußtseinsebenen
reguliert ? per definitionem selbst Bestandteile des Bewußtseins
(Empson 1986; Tice & Steinberg 1989). Wie wir Information interpretieren
und darauf reagieren, wird über die Stimulation von Thalamus und
Cortex durch die retikuläre Formation sowie durch deren Kontrolle
von Aufmerksamkeit und Erregungsniveau "gemanagt" (Empson 1986).
Um
also Erregungsniveau, Aufmerksamkeitsfokus und Bewußtseinsebene
zu ändern, benötigt das RAS entsprechenden Input, d.h. Information.
Die binaural beats von Hemi-Sync stellen diese Information zur
Verfügung - die Information ist in diesem Fall das komplexe, wellenförmige
Schwingungsmuster des binaural beat. Dieses läßt sich
auch in Form einer neurologischen Frequenz-Folge-Reaktion feststellen
und wird vom RAS als Information in Form von Gehirnwellen erkannt. Falls
innere Reize ? Gefühle, Einstellungen, Überzeugungen ? und äußere
Sinnesreize mit dieser Information nicht in Konflikt kommen (eine innere,
unter Umständen auch nicht bewußte Furcht könnte Quelle
eines solchen Konflikts sein) wird das RAS, um die Homöostase aufrechtzuerhalten,
den jeweiligen Bewußtseinszustand an die Hemi-Sync-Stimulation anpassen.
Anders ausgedrückt: Im Lauf der Zeit überwacht
das RAS die innere wie äußere Umgebung, Erregungszustand, Aufmerksamkeitsfokus,
und Bewußtseinsebene, um in jedem Augenblick die bestmögliche
Anpassung an die gegebenen Umstände zu gewährleisten. So lange
kein Konflikt entsteht, stimmt das RAS den Bewußtseinszustand des
Hörers auf die Information der Wellenmuster in den Hemi-Sync-Klangfeldern
ab.
EEG-Untersuchungen zeigen in objektiven, meßbaren
Größen den Einfluß von Hemi-Sync auf Erregungszustand,
Aufmerksamkeitsfokus und Bewußtseinsebene. Verschiedene EEG-Studien
(Foster 1990; Sadigh 1990; Hiew 1995 u. a.) belegen, daß die Hemi-Sync
und seine binaural beats Änderungen im EEG hervorrufen. Nachdem
die im EEG abgebildete Gehirntätigkeit durch das RAS reguliert wird
(Swann et al. 1982; Empson 1986), gibt das EEG Aufschluß über
die RAS-Tätigkeit und Änderungen dabei infolge von Hemi-Sync.
Das ist aber nur ein Teil des Hemi-Sync-Prozesses.
Die eigene Erfahrung des Bewußtseins umfaßt viel mehr als
nur die Größen Erregungszustand, Aufmerksamkeitsfokus, und
Bewußtseinsebene. Der kognitive Gehalt der Erfahrung ist es, der
ihr Bedeutung verleiht. Dieser "inhaltliche Anteil" der Hemi-Sync-Erfahrung
eines fokussierten Bewußtseinszustands hängt von der sozialen
und psychischen Lerngeschichte eines Menschen und seinen geistigen Fähigkeiten
ab. Die Anwendung der Hemi-Sync-Technik in verschiedenen Bereichen vereint
diese Aspekte. Was soziales und psychologisches Lernen betrifft, bieten
die Hemi-Sync-Medien Anleitungen zur Entspannung und zu besserem Atmen,
Affirmationen zur Verwirklichung persönlicher Vorhaben, und Anleitungen
für Visualisierungen. In den Fortbildungsprogrammen des Monroe Institute
stehen geschulte Trainer zur Verfügung, die Erfahrung darin haben,
Nuancen im verbalen Ausdruck und in der Körpersprache der Teilnehmer
wahrzunehmen. Sie fungieren als Berater und unterstützen die Interaktion
in Gruppen von Teilnehmern, um so eine Atmosphäre zu schaffen, in
der die bewußte Erfahrung bestimmter Gehirnaktivitätszustände
? sogenannter Fokusebenen (focus levels) ? ermöglicht wird.
Die Trainer kennen aus eigener Erfahrung die neuen
Welten, in die Programmteilnehmer vordringen. Eben deshalb können
sie diesen helfen, ihre sozio-psychischen Konditionierungen zu ändern.
Sie ermutigen die Teilnehmer, ihre Erlebnisse zu beobachten und zu reflektieren,
um neuartige Erfahrungen integrieren zu können. Wo angebracht, helfen
sie auch, diese Erfahrungen im Sinne konstruktiver Perspektiven zurechtzurücken.
Insofern, als die Erlebnisfähigkeit durch geistige
Fähigkeiten mitbestimmt wird, können kognitive Fertigkeiten
verbessert werden. Den Teilnehmern wird unterstützende Lektüre
zur Verfügung bestellt. Während der Programme finden Informationsvorträge
statt, und Diskussionsrunden bieten die Gelegenheit, Erfahrungen auszutauschen.
Wachstum durch eigenes Praktizieren steht im Mittelpunkt des Lernprogramms
und die Teilnehmer erhalten zahlreiche Gelegenheiten, die aufregenden
fokussierten Bewußtseinszustände selbst zu erfahren, die durch
Hemi-Sync zugänglich werden.
Zusammenfassung
Das patentierte Hemi-Sync-Verfahren
stellt als System von Anleitungen und Hörerfahrungen ein sicheres,
natürliches Mittel dar, Erregungszustand, Aufmerksamkeitsfokus und
Bewußtseinszustand zu ändern. Hemi-Sync ist die einzigartige
Kombination einer wirkungsvollen Technik zur Veränderung von Gehirnwellen
in Kombination mit fundierten psychophysiologischen Techniken (wie Reduzierung
von Umweltreizen, Atemkontrolle, progressive Entspannung u.a.) und einem
unterstützenden sozio-psychologischen Lernprogramm.
Anmerkungen
1 "Pink sound" ist Weißes Rauschen
(die Summe aller akustischen Frequenzen, vergleichbar dem Geräusch
des Fernsehers nach Sendeschluß), das mit Hilfe eines Equalizers
zu einem für das menschliche Ohr angenehmerem, "natürlicherem"
Rauschen verändert wird.
2 Fernwahrnehmung (remote viewing) ist die Fähigkeit,
allein durch mentale Mittel unsichtbare, räumlich oder zeitlich entfernte
Gegenstände und Vorgänge zu beschreiben
3 Telepathie wird gemeinhin als direkte Kommunikation von Geist
zu Geist bezeichnet ? eine eher eingeschränkte Definition im Vergleich
zu Robert Monroes breiterem Begriff von nonverbaler Kommunikation.
4 Der eigene Geist wird immer als entweder innerhalb oder
außerhalb des Körpers erfahren ? es hängt davon ab, worauf
das Bewußtsein gelenkt wird. Außerkörperlich (out-of-body)
bedeutet einfach, daß keine direkte Verbindung zu bestimmten materiellen
Bewußtseinsebenen besteht.
5 Elektronisch erzeugte binaural beats werden "gehört",
wenn Töne mit leicht unterschiedlicher Frequenzen, sogenannte Trägertöne,
jeweils einem Ohr dargeboten werden.
6 Das Gehirn reguliert automatisch alle Körperfunktionen,
um die sogenannte Homöostase aufrechtzuerhalten, das innere Gleichgewicht
des Organismus (Green & Green 1977; Swann et al. 1982). Das RAS (retikuläres
aktivierendes System) stellt die Kontinuität der Gehirnwellenmuster
sicher ? außer neu einlangende Information signalisiert, daß
die Anpassung an geänderte Umstände nötig ist.
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